Lexikon der Abwasserbegriffe

Hier möchte der SEL für Sie einige Begriffe aus der Abwasserbeseitigung, die auf dieser Seite und in Zusammenhang mit der Kanalisation auftreten, mit einfachen Worten und teilweise direkt auf Lüdenscheider Verhältnisse bezogen, erklären. Es besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit und Rechtssicherheit.

 

Begriffe von A-Z:

abflusslose Grube
Abflusslose Abwassergruben oder auch Abwassersammelgruben sind je nach Einzelfall neben der öffentlichen Abwasseranlage und der Kleinkläranlage (KKA) eine weitere Möglichkeit Abwasser zu entsorgen. Im Gegensatz zur Kleinkläranlage wird hier das anfallende Schmutzwasser nur gesammelt und regelmäßig von einem Abfuhrunternehmen zu einer Kläranlage transportiert.
Sie dürfen nur dann gebaut werden, wenn das Abwasser nicht in die Kanalisation eingeleitet werden kann. Dies ist zumeist im Außenbereich von Lüdenscheid der Fall. Ob im Einzelfall eine abflusslose Abwassergrube als Abwasseranlage für ein Grundstück in Frage kommt und ob bestehende Anlagen noch den Regeln der Technik entsprechen oder gegebenenfalls saniert werden müssen, wird vom SEL und der unteren Wasserbehörde im Rahmen der rechtlichen Vorgaben beurteilt. In der Regel sind die abflusslosen Gruben nur als Behelf zu betrachten und werden daher nur in Ausnahmefällen und zeitliche befristet zugelassen.

ABK
Abwasserbeseitigungskonzept. Im Abwasserbeseitigungskonzept stellt die Gemeinde den Stand der öffentlichen Abwasserbeseitigung sowie die zeitliche Abfolge und die geschätzten Kosten der zur Erfüllung der Abwasserbeseitigungspflicht notwendigen Baumaßnahmen dar. Das ABK wird immer für 6 Jahre erstellt und jährlich aktualisiert.

Abscheider
In Abscheidern werden bestimmte Stoffe durch Trennung zurückgehalten, so dass sie nicht mit dem Abwasser weitertransportiert werden. Im Abwasserbereich sind z. B. Fettabscheider, Leichtflüssigkeitsabscheider und Stärkeabscheider geläufig. Bei Leichtflüssigkeitsabscheidern wird z. B. das auf dem Abwasser aufschwimmende Öl mittels Tauchwand zurückgehalten und regelmäßig abgesaugt.

Abwasser
Den Abwasserbegriff regelt der § 54 Abs. 1 WHG etwas sperrig als “das durch häuslichen, gewerblichen, landwirtschaftlichen oder sonstigen Gebrauch in seinen Eigenschaften veränderte Wasser und das bei Trockenwetter damit zusammen abfließende Wasser (Schmutzwasser) sowie das von Niederschlägen aus dem Bereich von bebauten oder befestigten Flächen gesammelt abfließende Wasser (Niederschlagswasser).“
Abwasserkanal
Anlage zum Transport von Abwasser; in Lüdenscheid betrieben vom SEL.

Abzweig
Formstück zur Zusammenführung von Abwasserströmen. In der Regel erfolgt hierdurch der Anschluss eines Grundstücks an den öffentlichen Kanal.

Anschlussleitungen
Anschlussleitungen setzen sich aus Grundstücksanschlussleitungen und Hausanschlussleitungen zusammen.

Anschlussnehmer
Anschlussnehmer ist der Eigentümer eines Grundstücks, das an die öffentliche Abwasseranlage angeschlossen ist.

AöR
Anstalt des öffentlichen Rechts
Eine Institution, die eine bestimmte öffentliche Aufgabe erfüllt, die ihr gesetzlich zugewiesen worden ist. Ihr meist hoheitliches Tätigkeitsgebiet wird in ihrer Satzung festgelegt.

Dichtheitsprüfung
Zerstörungsfreie Prüfung einer abwassertechnischen Rohrleitung oder eines Schachtes etc. auf seine Dichtheit. (z. B. mittels Luft- oder Wasserdruckprüfung). Der Begriff Dichtheitsprüfung wurde seinerzeit durch den § 61a LWG für die Prüfung der privaten Anschlussleitungen geprägt. Seit der Aufhebung des § 61a und der Inkrafttretung der SüwVO Abw wird nun von einer Zustands- und Funktionsprüfung gesprochen.

DN
Diameter Nominal, englisch für die Nennweite (Anschlussmaß) von Rohren, Armaturen und Bauteilen.

Drainage
Unterirdisches Abführen von Grundwasser. Es erfolgt meist mittels halbdurchlässiger Rohre oder Schläuche zur Trockenhaltung des Bodens und von Gebäuden. In einigen Fällen wird Drainage mit den Begriffen Drainleitung oder Dränung gleichgesetzt. Drainagen dürfen nicht an die öffentliche Abwasseranlage angeschlossen werden.

Druckentwässerungsnetz
Ein Druckentwässerungsnetz ist ein zusammenhängendes Leitungsnetz, in dem der Transport von Abwasser einer Mehrzahl von Grundstücken durch von Pumpen erzeugten Druck erfolgt. Die Druckpumpen und Pumpenschächte sind technisch notwendige Bestandteile des jeweiligen Gesamtnetzes.

Druckleitung
Muss das Abwasser bergauf geführt werden, wird die dafür erforderliche Kraft mittels einer Pumpe erzeugt. Die dahinter liegende Leitung wird Druckleitung genannt.

Düker
Bei Kreuzungen von Kanälen mit anderen Leitungen und Gewässern wird der Abwasserkanal unter diesen Leitungen bzw. Gewässern geführt, um anschließend wieder auf das Ursprungsniveau gehoben zu werden. Das dafür erforderliche Bauwerk wird Düker genannt.

DWA
Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V.

 

 

Entwässerungsanlage
Anlage zur Ableitung von Abwasser, z. B. Abwasserkanal, Abwasserleitung, Druckleitung, Pumpwerk, Regenüberlauf.

Erneuerung
Eine von drei Arten der Sanierung (Reparatur, Renovierung, Erneuerung).
Unter Erneuerung versteht man die Herstellung neuer Abwasserleitungen und Kanäle in der bisherigen oder einer anderen Linienführung, wobei die erneuerten Anlagen die Funktion der ursprünglichen Abwasserleitungen übernehmen.
Beispiel: Freilegung und Austausch einer Leitung in der offenen Baugrube. Auch das Abhängen einer Leitung unter der Kellerdecke und die gleichzeitige Verdämmung der alten Leitung stellt eine Erneuerung dar.

Exfiltration
Das Austreten von Abwasser aus dem Kanal in das ihn umgebende Erdreich durch eine Schadstelle.

Fallleitung
Eine Fallleitung ist eine senkrecht verlaufende Abwasserleitung, die innen- oder außenliegend Schmutz- oder Regenwasser zu einer Sammel- oder Grundleitung führt. Fallleitungen durchqueren ein oder mehrere Geschosse. Schmutzwasserfallleitungen werden in der Regel mit einer Belüftungsleitung bis über das Dach hinaus geführt.

Farbprobe
Der SEL führt zur Überprüfung der Anschlüsse eines Grundstücks Farbproben durch. Dabei wird eine ungiftige Farbe in die Abläufe geschüttet und an der öffentlichen Abwasseranlage geprüft, wo die Einfärbung sichtbar wird.

Fehleinleitung/ Fehlanschluss
Von einer Fehleinleitung bzw. einem Fehlanschluss spricht man, wenn im Trennsystem Regenwasser an den Schmutzwasserkanal angeschlossen ist, oder umgekehrt, das Schmutzwasser an den Regenwasserkanal angeschlossen wurde. Auch der Anschluss von Schmutzwasser an eine Bachverrohrung bzw. die direkte Einleitung in ein Gewässer stellt eine Fehleinleitung dar. Fehleinleitungen sind ohne Verzögerung zu beseitigen, da sie meistens eine Gewässerverunreinigung zur Folge haben.

Flächenversickerung
Die Flächenversickerung ist die einfachste Art der Regenwasserbewirtschaftung. Hierbei wird das anfallende Niederschlagswasser auf eine möglichst ebene Fläche geleitet, auf der es versickern kann. Voraussetzung ist, dass der Boden gut wasserdurchlässig ist und der Abstand der Geländeoberfläche zum Grundwasser mehr als 1 m beträgt.

Freispiegelgefälle
Im „Freispiegelgefälle“ fließt das Abwasser von einem höheren Punkt zu einem tieferen Punkt, allein durch die Kraft der Erdanziehung. Das Gegenteil wäre eine Druckleitung.

Fremdwasser
Fremdwasser bezeichnet im Allgemeinen Wasser, das ungewollt durch die Kanalisation abfließt.
Nach DIN 4045 gehören dazu:

•    durch Undichtigkeit in die Kanalisation eindringendes Grundwasser,
•    unerlaubt über Fehlanschlüsse eingeleitetes Wasser,
•    dem Schmutzwasserkanal zufließendes Oberflächenwasser (z. B. durch Schachtabdeckungen),
•    durch die Kanalisation abgeleitetes Bach- oder Drainagewasser.

Fremdwasser belastet aufgrund seiner Quantität die vorhandenen Abwasseranlagen (Kanäle, Rückhaltebecken), erschwert die Abwasserreinigung in der Kläranlage  und ist somit unter dem Aspekt des Gewässerschutzes unerwünscht.

Fremdwassersanierungskonzept
Das Fremdwassersanierungskonzept (FSK) dient dazu, Fremdwasserschwerpunkte zu identifizieren und die notwendigen Sanierungsmaßnahmen abzuleiten. Das FSK betrachtet das Fremdwassersanierungsgebiet ganzheitlich, also den öffentlichen und den privaten Bereich.

gesplitteter Maßstab
Der gesplittete Maßstab ist die getrennte Ermittlung der Schmutzwassergebühr und der Niederschlagswassergebühr.
Die Schmutzwassergebühr wird nach dem Frischwassermaßstab berechnet, also nach der Anzahl der bezogenen Menge an Trinkwasser und Brunnenwasser, gemindert um die auf dem Grundstück verbrauchten Wassermengen, die nicht mehr dem öffentlichen Kanal zugeführt werden.
Die Niederschlagswassergebühr wird anhand der versiegelten und an den Kanal angeschlossenen Fläche ermittelt.

grabenlose Bauweise / grabenloses Verfahren
Sanierung einer Abwasseranlage ohne Erstellung einer Baugrube über die gesamte Länge des zu sanierenden Stückes. Bei grabenlosen Sanierungsverfahren erfolgt die Sanierung unterirdisch bzw. von innen durch Inspektionsöffnungen. Beispiele für grabenlose Verfahren sind die unterirdische Reparatur mit einem Roboter (Roboterverfahren) oder das Schlauchlinerverfahren.

Grunddienstbarkeit
Die Grunddienstbarkeit gewährt dem Berechtigten bestimmte Nutzungsrechte an einem fremden Grundstück, z.B. das Recht, einen Kanal zu verlegen und zu unterhalten. Für die Grunddienstbarkeit ist deren Eintragung im Grundbuch zwingende Voraussetzung.

Grundstücksanschlussleitung
Grundstücksanschlussleitung ist die Leitung von der öffentlichen Abwasseranlage bis zur Grenze des jeweils anzuschließenden Grundstücks.

Grundleitung
Leitungen unter der Bodenplatte des Hauses. Diese gehören auch zur Hausanschlussleitung.

Grundstück
Ein Grundstück ist, unabhängig von der Eintragung im Grundbuch, jeder zusammenhängende Grundbesitz, der eine selbständige wirtschaftliche Einheit bildet.

Grundstücksentwässerung
System von Leitungen und anderen Entwässerungsbauwerken zur Ableitung von Schmutzwasser und/oder Regenwasser zur Kanalisation, zur Kleinkläranlage bzw. abflusslosen Grube oder zu einer anderen Entsorgungseinrichtung.

Grundwasser
Grundwasser ist das Wasser, das unter der Erdoberfläche in Hohlräumen einen Wasserkörper bildet.

Gully
Straßenablauf – zur Ableitung des auf der Straße anfallenden Niederschlagswassers in den öffentlichen Kanal.

Haltung
Strecke eines Abwasserkanals zwischen zwei Schächten und/oder Sonderbauwerken.

Hausanschlussleitung
Hausanschlussleitungen sind Leitungen von der privaten Grundstücksgrenze bis zum Gebäude in dem Abwasser anfällt. Zu den Hausanschlussleitungen gehören auch Leitungen unter der Bodenplatte des Gebäudes sowie Schächte und Inspektionsöffnungen.

Haustechnische Abwasseranlage
Haustechnische Abwasseranlagen sind die Einrichtungen innerhalb und an zu entwässernden Gebäuden, die der Sammlung, Vorbehandlung, Prüfung, Rückhaltung und Ableitung des Abwassers auf dem Grundstück dienen (z. B. Abwasserrohre im Gebäude, Dachrinnen, Hebeanlage). Sie gehören nicht zur öffentlichen Abwasseranlage.

Häusliches Abwasser
Schmutzwasser aus Waschräumen, Küchen, Badezimmern, Waschbecken, Toiletten und ähnlichen Einrichtungen.

Indirekteinleiter
Ein Indirekteinleiter ist derjenige Anschlussnehmer, der Abwasser in die öffentliche Abwasseranlage einleitet oder sonst hineingelangen lässt.
Im Indirekteinleiterkataster sind die Grundstücke erfasst, von denen Abwasser gem. den Anhängen der Abwasserverordnung anfällt (z. B. Waschstraßen, Galvaniken, Zahnärzte, KFZ-Betriebe …).

Infiltration
Das Eindringen von Grundwasser aus dem Erdreich in den Kanal durch eine Schadstelle.

Inliner
Siehe Schlauchlining.

Inspektionsöffnung
Öffnung mit abnehmbarem Deckel, angebracht an einer Abwasserleitung oder einem Abwasserkanal, die zwar eine Zugänglichkeit zur Leitung ermöglicht, nicht jedoch den Einstieg von Personen gestattet. Inspektionsöffnungen erlauben nur das Einbringen von Reinigungsgerät, Inspektions- und Prüfausrüstung. Inspektionsöffnungen haben eine Nennweite von weniger als DN/ID 800. Inspektionsöffnungen werden in der Regel mit Revisionsöffnungen gleich gesetzt.

Instandhaltung
Unter diesem Begriff werden Maßnahmen zur Feststellung und Beurteilung des Ist-Zustandes und zur Bewahrung und Wiederherstellung des Sollzustandes von Entwässerungsanlagen zusammengefasst.

Kanal
Siehe Abwasserkanal.

Kanalhaltung
Siehe Haltung.

Kanalnetz
Dieser Ausdruck bezeichnet die Gesamtheit der Kanäle, Abwasserdruckleitungen und zugehörigen Bauwerke in einem Entwässerungsgebiet.

Kanal-TV – optische Inspektion
Es wird eine ferngesteuerte Kamera in den Kanal eingebracht. Diese Kamera ist schwenkbar (meist um 360 Grad) und fährt durch den Kanal. Das Bild wird in den Kamerawagen übertragen und dort aufgezeichnet. Gleichzeitig bestimmt der Untersucher die Schächte, Stutzen, Abzweige und Schäden. Das Kamera-Fahrgestell ist mit einer Längenmessung versehen, so dass eine direkte Einmessung erfolgt. Meistens werden alle Daten digital erfasst.
Vor der Inspektion sollten die Kanäle fachgerecht gereinigt sein, damit alle Schäden erkannt werden.

Kanalzustandskataster
Hier werden aus den turnusmäßigen Untersuchungen des Kanalnetzes die Schäden in das Kanalinformationssystem übernommen, beurteilt und in Abhängigkeit von der Schwere des Schadens eingestuft. Die bauliche Bewertung geht in das Sanierungskonzept ein.

Klärschlamm
Klärschlamm ist die bei der Reinigung des Abwassers in Kläranlagen oder Kleinkläranlagen anfallende Mischung aus Fest- und Flüssigstoffen. Auch in Kleinkläranlagen fällt Klärschlamm an. Für diesen ist die jeweilige Gemeinde abwasserbeseitigungspflichtig. D. h. die Gemeinde hat die regelmäßige Abfuhr und die Zuführung zu einer ordnungsgemäßen Behandlung sicherzustellen.

Kleinkläranlage (KKA)
Eine Kleinkläranlage dient der Behandlung von häuslichem Schmutzwasser eines oder mehrerer Grundstücke (max. 50 Einwohner) außerhalb im Zusammenhang bebauter Ortsteile die nicht kanalisiert sind.

LWG
Landeswassergesetz NRW, hat das Ziel, die Umsetzung des Wasserhaushaltgesetzes des Bundes (WHG) im Speziellen für das jeweilige Bundesland zu gewährleisten.

Mischsystem
Entwässert ein Gebiet im Mischwassersystem, wird sowohl das Schmutz- und das Regenwasser in einer Leitung abgeführt und gemeinsam der Kläranlage zugeführt.
(Gegensatz: Trennsystem)

Modifiziertes Entwässerungssystem
Bei einem modifizierten Entwässerungssystem wird immer ein Abwasserstrom mit geringem Reinigungsbedarf abgekoppelt und möglichst ohne weitere Behandlung abgeleitet. Bei einem modifizierten Mischsystem würde z. B. unverschmutztes Niederschlagswasser von Dachflächen vom Mischwasserkanal abgekoppelt und direkt einem Gewässer zugeführt oder versickert, während das verschmutzte Niederschlagswasser (z. B. Parkplatzfläche) zusammen mit dem Schmutzwasser abgeführt wird.

Muffe
Bauelement zur unterbrechungsfreien Verbindung zweier Rohre. Im Kanalbau werden überwiegend Steckmuffen verwendet.

Muldenversickerung
Bei der Muldenversickerung erfolgt eine kurzfristige Zwischenspeicherung des oberflächig zugeführten Niederschlagswassers über die belebte Bodenzone in bis zu 30 cm tiefen Bodenvertiefungen. Diese können in beliebiger Form einfach z. B. im Rasenbereich des Gartens angelegt werden. Voraussetzung ist, dass der Boden gut wasserdurchlässig ist und der Abstand der Muldensohle zum Grundwasser mehr als 1 m beträgt.

Mulden-Rigolen-Versickerung
Bei der Mulden-Rigolen-Versickerung werden die Vorteile der Mulden- und der Rigolen-Versickerung kombiniert. Das abfließende Regenwasser wird zunächst in eine Mulde geleitet und sickert dann in die darunter liegende Rigole. Diese Maßnahme vergrößert das Zwischenspeichervolumen der Entwässerungsanlage und sorgt gleichzeitig dafür, dass die Mulde nicht zu lange eingestaut ist. Dieses Verfahren ist sinnvoll, wenn wenig freie Fläche zur Verfügung steht oder der Boden nur eine mittlere Wasserdurchlässigkeit aufweist.

Nebeln
Abwasserkanäle werden zur Überprüfung der Grundstücksanschlüsse am öffentlichen Kanal mit Prüfnebel beaufschlagt. Dazu wird unschädlicher Nebel (ähnlich dem Theaternebel) mittels Druckluft in das Kanalsystem eingeblasen. Der Nebel entweicht z. B. über die angeschlossenen Regenfallrohre oder die Entlüftungsleitungen.

Niederschlagswasser
Niederschlagswasser ist das von Niederschlägen aus dem Bereich von bebauten oder befestigten Flächen gesammelt abfließende Wasser.

Offene Bauweise
Durchführung von Arbeiten an einer Entwässerungsanlage durch Aufgrabung, in einer offenen Baugrube.

Optische Inspektion
Inaugenscheinnahme einer Entwässerungsanlage durch Begehung, Kameratechnik oder Spiegelung. Die Begehung von Leitungen wird ab einer Nennweite von DN 800 durchgeführt. Bei Kanälen oder Leitungen mit geringerer Nennweite wird in der Regel eine Kamera eingesetzt oder eine Spiegelung durchgeführt.

Öffentliche Abwasseranlage
Zur öffentlichen Abwasseranlage gehören alle von SEL selbst oder in ihrem Auftrag betriebenen Anlagen, die der Erfüllung der Abwasserbeseitigungspflicht dienen (Schächte, Haltungen, Regenrückhaltebecken, Regenüberläufe, Staukanäle usw.).
Nicht dazu gehören die Grundstücks- und Hausanschlussleitungen (Anschlussleitungen), Kleinkläranlagen und abflusslose Gruben.

Porenpflaster
Porenpflaster besteht aus Steinen, die aufgrund ihres lockeren Aufbaus das Durchsickern von Wasser direkt durch den Stein ermöglichen. In Verbindung mit einer wasserdurchlässigen Fugenfüllung beträgt die Versickerungsleistung von Porenpflaster nahezu 100 Prozent.

Rasengittersteine/ Rasenfugenpflaster
Bei einem Flächenbelag mit Rasengittersteinen oder Rasenfugenpflaster versickert das Wasser durch Aussparungen zwischen den Steinen. Je nach Hersteller sind Anordnung und Abmessungen der Aussparungen unterschiedlich. Es ist jedoch zu beachten, dass die Aussparungen 20 % bis 30 % der Fläche einnehmen, um eine ausreichende Versickerung zu ermöglichen.

Rattenbekämpfung
Durch die Entsorgung von Essensresten über die Toilette gelangen diese in die Kanalisation. Daher halten sich dort auch Ratten - genauer gesagt Wanderratten – auf. Bei der Bekämpfung der Ratten in der Kanalisation werden Köder in die Kanalschächte gebracht. Der SEL hat speziell ausgebildete Mitarbeiter die diese Bekämpfung durchführen. Die Köder sind in der verwendeten Dosierung für Mensch und Haustier ungefährlich. Durch die Rattenbekämpfung kann verhindert werden, dass sich die Gesamtpopulation der Ratten vergrößert. Eine starke Dezimierung oder gar ein Verschwinden der Ratten kann nur erreicht werden, wenn den Ratten das Nahrungsangebot im Kanal fehlt. Das bedeutet für alle: Essensreste gehören nicht in die Kanalisation!

Regeln der Technik
Prinzipien, Lösungen und Vorgehensweisen, die sich in der Praxis erprobt und bewährt haben und sich bei der Mehrheit der Praktiker durchgesetzt haben. Allgemein anerkannte Regeln der Technik werden üblicherweise in technischen Regelwerken abgebildet.

Regenklärbecken

Ein Regenklärbecken (RKB) ist ein Absetzbecken zur Behandlung von verschmutztem Regenwasser im Trennsystem mit integrierter Leichtstoffabscheidung. Man unterscheidet

  • Regenklärbecken mit Dauerstau (RKBmD): Regenklärbecken, das ständig mit Wasser gefüllt ist und aus dem nur in größeren Zeitintervallen die Sedimente abgezogen werden
  • Regenklärbecken ohne Dauerstau (RKBoD): Regenklärbecken, das nach jedem Einstau vollständig entleert wird und daher mit einer Pumpe o. ä. ausgerüstet sein muss.

Regenrückhaltebecken
Regenrückhaltebecken dienen im Misch- und Trennsystem der Drosselung der weiterführenden Abwassermenge.

Regenspende
Regenwassermenge, die in einer bestimmten Zeiteinheit auf eine bestimmte Fläche niedergeht. Diese dient der Berechnung des Regenabflusses.

Regenüberlauf
Ein Regenüberlauf ist ein Sonderbauwerk im Mischsystem, das den weiteren Abfluss zur Kläranlage auf einen bestimmten Wert abdrosselt. Die darüber hinausgehende Abwassermenge wird direkt in ein Gewässer abgeschlagen.

Regenüberlaufbecken, Stauraumkanal
Bauwerke mit Speicherkapazität im Mischsystem, die einerseits den Abfluss zur Kläranlage stärker drosseln als ein Regenüberlauf (s. dort), andererseits durch ihre Speicherkapazität eine mechanische Absetzwirkung erzielen, bevor der Überlauf in ein Gewässer erfolgt. Das Regenüberlaufbecken und der Stauraumkanal unterscheiden sich lediglich in ihrer baulichen Ausbildung.

Renovierung
Eine von drei Arten der Sanierung (Reparatur, Renovierung, Erneuerung).
Renovierung ist eine Maßnahme zur Verbesserung der aktuellen Funktionsfähigkeit von Abwasserleitungen und -kanälen unter vollständiger oder teilweiser Einbeziehung ihrer ursprünglichen Substanz.
Ein typisches Verfahren der Renovierung ist das Schlauchlinerverfahren.

Reparatur
Eine von drei Arten der Sanierung (Reparatur, Renovierung, Erneuerung).
Maßnahmen zur Behebung örtlich begrenzter Schäden. Ziel einer Reparatur ist das Sanieren von Einzelschäden, z. B. von Rissen und Löchern. Die durchschnittliche Nutzungsdauer ist vergleichsweise gering und liegt in der Regel bei 2 bis 15 Jahren.
Typische Verfahren der Reparatur sind z. B. Fräsen von einragenden Wurzeln, Spachteln von Undichtigkeiten, Kurzliner über ein Loch oder die kurze, offene Baugrube zur lokalen Schadensbehebung.

Revisionsöffnung
Siehe Inspektionsöffnung.

Revisionsschacht
Revisionsschächte werden auch als Kontrollschächte bezeichnet und dienen zur Überprüfung, Unterhaltung, Reinigung und Belüftung von Kanalhaltungen. Sie sind in der Regel begehbar. In den Revisionsschächten finden auch die Richtungsänderungen der Haltungen statt, d. h. zwischen zwei Revisionsschächten verläuft die Haltung in der Regel gerade.

Rigolenversickerung
Rigolen sind unterirdische Wasserspeicher zur Versickerung, die aus kies- oder lavagefüllten Gräben bestehen oder aus vorgefertigten Kunststoffelementen. Durch die Verlegung eines geschlitzten Sickerrohres innerhalb der Rigole kann das Speichervolumen vergrößert werden. Man spricht dann von Rohrrigolen. Eine wasserrechtliche Genehmigung der UWB (unteren Wasserbehörde) ist erforderlich.

Rückstau
Rückstau in einer abwassertechnischen Anlage entsteht, wenn der Zustrom von Abwasser dessen Abfluss übersteigt.

Rückstauebene
Die Rückstauebene beschreibt eine Höhe bei einer Grundstücksentwässerung unterhalb derer besondere Maßnahmen gegen Rückstau zu treffen sind.

Rückstausicherung
Der Grundstückseigentümer hat sich gegen Rückstau von Abwasser aus dem öffentlichen Kanal zu schützen. Hierzu hat er die Ablaufstellen unterhalb der Rückstauebene (in der Regel die Straßenoberkante) durch funktionstüchtige Rückstausicherungen gemäß den allgemein anerkannten Regeln der Technik einzubauen. Die Rückstausicherung muss jederzeit zugänglich sein.

Sammelleitung
Liegende Leitung zur Aufnahme des Abwassers von Fall- und Anschlussleitungen, die nicht im Erdreich oder unter der Grundplatte verlegt ist. Eine Sammelleitung ist im Gegensatz zu einer Grundleitung frei zugänglich und liegt im Gebäude oberhalb der Kellersohle oder alternativ im Rohrkanal im Kellerfußboden.

Sachkundiger
Zur Durchführung der Zustands- und Funktionsprüfung gem. SüwVO Abw ist ein Sachkundnachweis erforderlich. Die Anerkennung und Aberkennung erfolgt für die Mitglieder und deren Angestellte duch die jeweils zuständige nordrhein-westfälische Handwerkskammer, Industrie- und Handeskammer oder Ingenieurkammer-Bau; im Übriegen durch die zuständige Behörde.

Die Sachkundigenliste kann auf der Interntseite des Landes (siehe Links) eingesehen werden.

Sanierung
Alle Maßnahmen zur Wiederherstellung oder Verbesserung vorhandener Entwässerungssysteme. Es wird zwischen den Sanierungsarten Reparatur, Renovierung und Erneuerung unterschieden.

Schacht
Einstieg mit abnehmbarem Deckel, angebracht auf einer Abwasserleitung oder einem Abwasserkanal, um das Einbringen von Reinigungs-, Inspektions- und Sanierungssystemen oder auch den Einstieg von Personen zu ermöglichen. Hier Synonym für „Einsteigeschacht“ oder „Revisionsschacht“.
In Lüdenscheid gilt: Bei der Neuerrichtung einer Anschlussleitung auf einem privaten Grundstück hat der Grundstückseigentümer einen Einsteigeschacht mit Zugang für Personal auf dem privaten Grundstück, außerhalb des Gebäudes, nahe der Grundstücksgrenze, einzubauen. Bei bestehenden Anschlussleitungen ist der Grundstückseigentümer zum nachträglichen Einbau des Einsteigeschachts mit Zugang für Personal verpflichtet, wenn er die Anschlussleitung erneuert oder verändert. In Ausnahmefällen kann auf Antrag des Grundstückseigentümers von der Errichtung des Einsteigeschachtes abgesehen werden, wenn dafür eine geeignete Inspektionsöffnung eingebaut wird. Der Einsteigeschacht bzw. die Inspektionsöffnung muss jederzeit frei zugänglich und zu öffnen sein. Eine Überbauung oder Bepflanzung des Einsteigeschachtes bzw. der Inspektionsöffnung ist unzulässig.

Schlauchlining
Schlauchlining ist ein Sanierungsverfahren, das ohne Aufgraben funktioniert und bei dem das vorhandene defekte Rohr mit einem neuen Rohr ausgekleidet wird. Bei der Sanierung wird ein flexibler Schlauch, der mit einem aushärtbaren Harz getränkt ist, in die zu sanierende Leitung eingebracht. Nach Aufweitung und Aushärtung entsteht im Sanierungsabschnitt ein neues Rohr (Rohr in Rohr). Die Standsicherheit und Dichtheit des Altkanals kann somit wiederhergestellt werden. In der Regel erfolgt der Einbau über Revisionsöffnungen oder Schächte.

Schmutzwasser
Schmutzwasser ist das durch häuslichen, gewerblichen, landwirtschaftlichen oder sonstigen Gebrauch in seinen Eigenschaften veränderte und das bei Trockenwetter damit zusammen abfließende Wasser. Als Schmutzwasser gelten auch die aus Anlagen zum Behandeln, Lagern und Ablagern von Abfällen austretenden und gesammelten Flüssigkeiten.

Schotterrasen
Beim Schotterrasen wird Rasen in ein Gemisch aus Humus, Sand und Schotter eingesät. Diese Fläche ist dadurch strapazierfähiger als ein normaler Rasen, allerdings nicht für allzu häufig befahrene Zufahrten und Stellplätze sowie für Gartenwege geeignet. Die Versickerungsleistung von Schotterrasen beträgt zwischen 70 und 100 Prozent.

Sielhaut
Die Sielhaut ist ein Biofilm, der in Innenflächen von Entwässerungssystemen entsteht. Die Sielhaut besteht zum überwiegenden Teil aus toter und lebender Biomasse sowie aus anorganischen Bestandteilen. Wird die Sielhaut durch die Reinigung vor einer TV-Inspektion nicht entfernt, können Schäden an der Rohrinnenwand übersehen werden.

Sonderbauwerk
Einzelbauwerk in einem Kanalnetz mit bestimmter Funktion. Dazu gehören z. B. Düker, Regenklärbecken, Stauraumkanal, Regenüberlauf, Regenrückhaltebecken und Regenüberlaufbecken.

Stauraumkanal
Siehe Regenüberlaufbecken, Stauraumkanal.

Stutzen
Bauteil, das in eine in die Rohrwand gebohrte, kreisförmige Öffnung eingesetzt wird und eine dichte Verbindung ergibt. Mit dem Stutzen werden private Anschlussleitungen an die öffentliche Abwasseranlage angeschlossen.

SüwVO Abw
Selbstüberwachungsverordnung Kanal für NRW, gibt sowohl die Überwachungen der Kanäle, Einleitungen und Sonderbauwerke mit Zeitintervallen für die öffentliche Kanalisation vor, regelt aber auch die Selbstüberwachung privater Abwasserleitungen d. h. sie gibt die Fristen und die Art der Durchführung der Zustands- und Funktionsprüfung durch einen Sachkundigen vor.

Teichversickerung
Ein Gartenteich mit Versickerungsbereich besteht aus zwei Komponenten: dem abgedichteten Gartenteich und dem nicht abgedichteten, wie eine Rigole aufgebauten Randbereich. Sobald die festgelegte maximale Wassertiefe im abgedichteten Teich überschritten wird, versickert das Wasser im durchlässigen Randbereich. Alternativ kann das überlaufende Wasser auch in ein nachgeschaltetes Versickerungselement, wie z.B. eine Mulde, eine Rigole oder einen Schacht abgeleitet werden. Wichtig ist –wie bei allen Versickerungseinrichtungen-, dass das für eine Versickerung notwendige Volumen auf der Basis der Wasserdurchlässigkeit des Bodens vorab ermittelt wurde.

Testat
Bei einer Versickerung über die belebte Bodenzone prüft die untere Wasserbehörde des Märkischen Kreises, ob diese zu Schäden auf einem anderen Grundstück oder an anderen Gebäuden führen kann, d. h. ob das Wohl der Allgemeinheit berücksichtigt ist. Darüber wird dem Grundstückseigentümer ein Testat nach § 53 LWG erteilt.

Trennsystem
In einem Trennsystem wird das Schmutzwasser in einem eigenen Kanal der Kläranlage zugeführt, während das Niederschlagswasser auf kurzem Wege in ein Gewässer oder eine Versickerung eingeleitet wird.

 

Versickerung von Niederschlagswasser
Ist das Einbringen von unbelastetem Niederschlagswasser in das Grundwasser. Die Versickerung ist ökologisch sehr sinnvoll, um der Flächenversiegelung und damit der Verringerung der Grundwasserneubildung entgegen zu wirken. Es gibt unter anderem folgende technische Möglichkeiten:

  • Muldenversickerung
  • Flächenversickerung
  • Rigolenversickerung
  • Teich

WHG
Wasserhaushaltsgesetz des Bundes. Es regelt den Umgang mit den Gewässern im Allgemeinen. Zweck dieses Gesetzes ist es, durch eine nachhaltige Gewässerbewirtschaftung, die Gewässer als Bestandteil des Naturhaushalts, als Lebensgrundlage des Menschen, als Lebensraum für Tiere und Pflanzen sowie als nutzbares Gut zu schützen.

Wasserschutzzone (WSZ)
Die Wasserschutzzone wird festgelegt um das Gewässer im Interesse der derzeit bestehenden oder künftigen öffentlichen Wasserversorgung vor nachteiligen Einwirkungen zu schützen, das Grundwasser anzureichern oder das schädliche Abfließen von Niederschlagswasser sowie das Abschwemmen und den Eintrag von Bodenbestandteilen, Dünge- oder Pflanzenbehandlungsmitteln in Gewässer zu verhüten. In Lüdenscheid gibt es derzeit zwei Wasserschutzzonen– Im Bereich Versetalsperre und im Bereich Fuelbecke / Horringhausen.

Zustands- und Funktionsprüfung
Prüfung privater Abwasserleitungen durch einen Sachkundigen gem. SüwVO Abw. Die Prüfung erfolgt gem. DIN in Abhängigkeit von der Art des Abwassers, der Lage des Grundstücks und des Zeitraums als TV-Untersuchung oder Druckprüfung.